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Rezension: Ingrid Schäfer: Irma Fechenbach-Fey (1895-1973)

Was motiviert, die Biographie einer Frau wie Irma Fechenbach zu schreiben? Sie ist unbekannt, ihr Name ist nicht in den großen Bibliotheken zu finden, Skandale machten sie nicht berühmt, sie war zu keiner Zeit „in aller Munde“, sie war im landläufigen Sinne nur „die Frau an seiner Seite“.
Er, Felix Fechenbach, war bereits in Deutschland bekannt, bevor sie 1926 heirateten. Seine Ermordung durch die Nazis am 7. August 1933 auf dem Transport vom Gefängnis in Detmold nach Dachau ins Konzentrationslager …

440 Seiten, 19.80 Euro
Verlag: Institut f. Lipp. Landeskunde

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erschütterte damals nicht nur alle links und liberal Gesinnten in Detmold und in Lippe. Diese Nachricht ging weit über die Landesgrenzen hinaus.
Bis heute ist Felix Fechenbach nicht vergessen. Veröffentlichungen über ihn, Straßennamen,
Namen von Schulen etc. erinnern an ihn. Doch wer erinnert sich an seine Frau? Sie musste
bereits vor seiner Verhaftung am 11. März 1933 fluchtartig in der Nacht zum l. März Detmold
mit den drei Kindern verlassen und einen Monat später den Weg in die Emigration antreten. Sie flüchtete in die Schweiz, zuerst alleine, ohne die Kinder, weil es sicherer und einfacher war. Ihre Kinder kamen erst später nach. Von der Ermordung ihres Mannes erfuhr sie im Exil in der Schweiz.

Ähnlich wie Irma Fechenbach erging es zwischen 1933 und 1945 allen Frauen, deren Männer im
Widerstand gegen den Nationalsozialismus ihr Leben lassen mussten. Gefährdet, weil sie „die
Frau von …“ waren, blieb ihnen ein Leben im Exil nicht erspart. Verließen sie Deutschland
nicht, mussten sie häufig mit Sanktionen schärfster Art rechnen. Ein Widerstandskämpfer agierte, seine Frau konnte nur reagieren, versuchen, die Konsequenzen so ertragbar wie möglich zu halten. Ein Leben im Exil, allein mit kleinen Kindern, zwang zur Mobilisierung von Fähigkeiten und einer Flexibilität, von der die Emigrantin vorher nie geglaubt hätte, dass sie diese besaß. Nicht alle obsiegten, manche scheiterten, sie hatten, nicht die psychische und physische Kraft und Gesundheit, den Kampf ums Überleben zu bestehen. Irma Fechenbach gehörte zu denen, die obsiegten. Sie sicherte sich und ihren Kindern nicht allein das Überleben, sie erreichte es, ihnen eine einigermaßen normale Kindheit im Exil zu gewährleisten und Voraussetzungen zu schaffen, die ihre späteren Lebensweg positiv bestimmten.

Eine solche Leistung motiviert, dem Lebensweg dieser Frau nachzuspüren und an ihrem Beispiel
exemplarisch deutlich zu machen, dass die Helden, die Widerstandskämpfer, derer wir gedenken, sehr oft Partnerinnen hatten, die Heldentum auf eine ganz andere Weise lebten, nur leider hat dies niemand wahrgenommen. Die Biographie von Irma Fechenbach ist ein Stück Zeitgeschichte. Sie ist aber vor allem eines: sie ist eine Hommage an alle Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten.Und letztendlich ist sie eine ganz persönliche Huldigung der Autorin für den Menschen Irma Fechenbach.

Pressemitteilung des Institutes für lippische Landeskunde vom 5. August 2003